KI-Projekt planen: Warum der Pilot der einfachste Teil ist

Zwei Berater besprechen am Whiteboard einen Prozessablauf und eine Pyramide in einem Workshop

Ein KI-Projekt planen heißt, vor dem Start vier Dinge festzulegen: einen verantwortlichen Owner mit Ziel und Abbruchkriterien, ein Budget mit laufender Kostenkontrolle, einen Pilot, der im echten Prozess mit Live-Daten läuft, und einer Roadmap bis zum Regelbetrieb. Die Technik ist selten das Problem. Die meisten KI-Projekte bleiben hängen, weil niemand die Schritte nach dem Pilot geplant hat.

Am Ende stand eine Rechnung über 1,8 Millionen US-Dollar. Ein KI-Projekt bei Amazon sollte Autorendaten den richtigen Produktangeboten zuordnen. Es lag 860 % über Budget, die Überschreitung fiel erst nach fünf Monaten auf, und live ging das System nie (Financial Times, 30. Juli 2026, zusammengefasst bei Techzine). Zwei weitere interne Projekte bei Amazon kosteten zusammen noch einmal rund 675.000 US-Dollar mehr als geplant.

Das KI-Modell hat dabei nicht versagt. Gefehlt hat, was jedes Projekt braucht: eine Budgetgrenze, ein Monitoring und jemanden, der regelmäßig hinschaut. Wir haben den Fall im August in Warum KI-Projekte scheitern eingeordnet. Hier geht es um die andere Seite der Medaille, also darum, wie man ein KI-Projekt so plant, dass es gar nicht erst in diese Lage kommt.

Ein KI-Projekt starten ist leicht, ankommen ist schwer

KI ist mittlerweile im Mittelstand angekommen. Laut Bitkom setzen inzwischen 57 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein, vor zwei Jahren waren es 20 % (Bitkom, 14. September 2026). In derselben Befragung sagt allerdings kein einziges Unternehmen, es schöpfe das Potenzial voll aus. 

Internationale Zahlen zeigen, wo es hakt. Das MIT hat 2025 festgestellt, dass nur rund 5 % der auf die Unternehmensbedürfnisse angepassten KI-Lösungen in Unternehmen überhaupt in den Produktivbetrieb kommen (MIT NANDA, The GenAI Divide 2025). S&P Global hat im selben Jahr über 1.000 Unternehmen in Nordamerika und Europa befragt. 42 % hatten die meisten ihrer KI-Initiativen abgebrochen, im Vorjahr waren es 17 %. Im Schnitt landete fast jeder zweite Proof of Concept im Papierkorb, bevor er produktiv ging (CIO Dive).

In unseren eigenen Projekten sehen wir dasselbe Muster. Ein Pilot funktioniert, die ersten Ergebnisse sehen gut aus, alle sind begeistert. Dann passiert monatelang nichts. Es fehlt ein Owner, die Datenbasis trägt im Alltag nicht, oder Prozesse und Systeme sind auf den Rollout nicht vorbereitet, Schnittstellen fehlen oder sind nicht ohne Anpassungen nutzbar.

Woran KI-Projekte meistens scheitern

Die RAND Corporation hat für eine Studie 65 erfahrene Data Scientists und Engineers befragt. Die häufigste Ursache für gescheiterte KI-Projekte war ein Missverständnis darüber, welches Problem das Projekt überhaupt lösen soll (RAND, 2024). Das ist ein Führungsthema und ein Planungsthema. Mit der Wahl des KI-Modells bzw. der Tatsache das die KI eine Bestimmte Aufgabe übernemen kann, hat es wenig zu tun.

KI-Projekt planen beginnt mit einem Problem, einem Owner und einem Abbruchkriterium

Drupal Stuttgart

Man beginnt mit einem konkreten Problem aus dem Tagesgeschäft, nicht mit einer Technologie. Gemeint ist ein Vorgang, der heute zu lange dauert, zu teuer ist oder zu viele Fehler produziert. Und man misst, wie es heute aussieht, etwa Minuten pro Angebot oder Fehlerquote pro hundert Rechnungen. Ohne diesen Ausgangswert kann später niemand sagen, ob sich das Projekt gelohnt hat.

Wo man ansetzt, macht einen großen Unterschied. VDMA und Strategy& haben 45 GenAI-Anwendungsfälle im Maschinenbau durchgerechnet. Zehn davon bringen mehr als die Hälfte des möglichen Margengewinns, und alle zehn liegen im Kerngeschäft, also in Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service (PwC/Strategy&). Gleichzeitig hatten nur 29 % der 247 befragten Unternehmen überhaupt einen einzigen dieser Anwendungsfälle in den Wirkbetrieb gebracht, bei der Einführung in den Wirkbetrieb systematisch vorgegangen waren nur 7 %.

Dann braucht das Projekt einen Owner. Gemeint ist eine Person aus dem Fachbereich der später die KI einsetzen will, die das Ergebnis verantwortet, ein Budget hat und entscheiden darf. Daran fehlt es häufiger, als man denkt. Laut KPMG haben 98 % der deutschen Unternehmen inzwischen eine KI-Strategie, aber nur bei 39 % wird sie aktiv vom Top-Management gesteuert (KPMG, Juni 2026). Oft werden separaten KI-Abteilungen oder Teams gebildet, die KI-Strategien und Umsetzungsszenarien für das Unternehmen entwickeln sollen. Diese Szenarien tragen aber nicht, wenn sie auf die Realität in den Fachbereichen treffen. 

Der Marketing Tech Monitor 2026 nennt als häufigste Fehler in Technologieprojekten fehlendes fachliches Know-how über die eigenen Prozesse (56 %), zu viele Projekte gleichzeitig (44 %) und unklare Ziele (42 %) (Marketing Tech Monitor 2026, Management Summary). Alle drei lassen sich in der Planung abstellen.

Bleibt das Abbruchkriterium. Vor dem Start sollte feststehen, welche Qualität, welche Kosten pro Vorgang und welcher Zeitrahmen gerade noch akzeptabel sind. Ein Projekt ohne Abbruchkriterium endet übrigens nicht. Es wird irgendwann nur nicht mehr erwähnt.

Was kostet ein KI-Projekt wirklich?

Die Lizenzen bzw. Token-Kosten sind meist der kleinste Posten. Bitkom hat KI-Anwender gefragt, wo bei ihnen die großen Kosten entstehen. Vorne liegen Infrastruktur wie Cloud und Rechenleistung (51 %), die Aufbereitung von Daten (50 %) und die Integration in bestehende Systeme (41 %). Lizenzen und Abos nennen nur 21 %, den Verbrauch von Tokens sogar nur 8 % (Bitkom, September 2026). 

 

KostenpostenAnteil der KI-Anwender, die ihn als großen Kostenpunkt nennen
Infrastruktur (Cloud, Rechenleistung)51 %
Datenaufbereitung50 %
Integration in bestehende Systeme41 %
Abos und Lizenzen für KI-Software21 %
Tokens8 %

Quelle: Bitkom, Pressemitteilung vom 14. September 2026, Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, Mehrfachnennungen möglich.

 

Mehr als die Hälfte der Anwender (54 %) sagt, dass sich die Kosten schwer kalkulieren lassen. Schwer zu kalkulieren ist vor allem die Integration in bestehende Systeme, den Tokenbedarf einer Aufgabe kann man dagegen recht gut abschätzen. Dabei treten oft IT-Altlasten zutage, oder es zeigen sich Versäumnisse der letzten Jahre im Datenmanagement. [Link auf „IT-Altlasten“ setzen: /digitalisierung/it-beratung. Den Platzhalter „Link zu Artikel sie brauchen eine Datenstrategie“ aus dem Text löschen, oder auf den Artikel verlinken, falls es ihn gibt.]

Der Amazon-Fall zeigt die Ausnahme von dieser Regel. Ein einzelner Token ist billig, aber ein falsch konfigurierter Agent kann davon sehr große Mengen verbrauchen, ohne dass es auffällt. Für ein KI-Projekt im Mittelstand folgt daraus etwas sehr Praktisches. Man legt eine harte Budgetobergrenze fest, überwacht die laufenden Kosten gezielt und richtet einen Alarm für Grenzüberschreitungen ein. Dann steht im Zweifel die KI-gestützte Arbeit still, aber es fließt kein Geld über das Budget hinaus.

Preise und Leistungsfähigkeit von KI-Modellen verschieben sich gerade schnell. Im Juli hat Moonshot AI mit Kimi K3 ein Open-Weight-Modell veröffentlicht, das in Benchmarks nah an die Frontier-Modelle herankommt (Tom’s Hardware). Wer seine Lösung fest an ein Modell bindet, kann von solchen Sprüngen nicht profitieren. Warum wir eine modelloffene Architektur empfehlen, haben wir in KI-Zugangsrisiko: Warum Unternehmen nicht auf ein Modell setzen sollten beschrieben.

In der Planung heißt das: ein Budget pro Anwendungsfall, Kosten pro Vorgang als feste Kennzahl und in den ersten Wochen ein täglicher Blick auf das Monitoring und die aufgelaufenen Kosten. Klingt banal. Bei Amazon hätte es ein paar Monate und einige Hunderttausend Dollar gespart.

Das KI-Pilotprojekt sollte schon wie Betrieb aussehen

Viele Piloten laufen in einer geschützten Umgebung mit ausgesuchten Daten und motivierten Testern. Dort funktionieren sie, und genau deshalb sagen sie wenig über den späteren Einsatz in einer Produktivumgebung aus. Ein gutes KI-Pilotprojekt läuft mit echten Daten, echten Nutzern und im echten Prozess, nur eben in kleinem Umfang oder im Parallelbetrieb.

Vor dem Pilot klären wir mit Kunden typischerweise drei Fragen. Liegen die Daten in der Qualität vor, die der Regelbetrieb braucht, und nicht nur in einer bereinigten Testkopie? Wo hängen Prozesse des Pilot später an zentralen Systemen wie ERP, CRM oder Dokumentenmanagement? Und wer darf das System nutzen, mit welchen Daten?

Die letzte Frage wird oft unterschätzt. Microsoft hat schon 2024 ermittelt, dass 78 % der KI-Nutzer eigene, nicht freigegebene Werkzeuge mit zur Arbeit bringen (Microsoft Work Trend Index 2024). Wer im Pilot und später im Wirkbetrieb keine freigegebenen Werkzeuge anbietet, bekommt Schatten-KI, und dann landen Kalkulationen oder Kundendaten in Systemen, die niemand kontrolliert. Für KI-Anwender ist der Datenschutz laut Bitkom inzwischen das größte Hemmnis (66 %).

Auch der EU AI Act gehört in die Pilotplanung. Die Pflicht, Beschäftigte im Umgang mit KI zu schulen, gilt seit Februar 2025, weitere Transparenzpflichten seit dem 2. August 2026. Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme, etwa bei der Vorauswahl von Bewerbern, wurden mit im EU-Gesetzgebungsverfahren auf den 2. Dezember 2027 verschoben (Übersicht Digital Omnibus). Ob ein Anwendungsfall ggf. in eine dieser Kategorie fällt, sollte man vor dem Pilot prüfen und nicht danach.

Die KI-Roadmap endet nicht beim Go-live

Bild einer Mitarbeiterin bei der Arbeit

Eine KI-Roadmap ist kein Gantt-Chart mit zwanzig Use Cases. Sie beschreibt den Weg eines Anwendungsfalls vom ersten Test, über den Piloten bis in den Alltag, mit klaren Entscheidungspunkten dazwischen. An jedem Punkt wird entschieden, ob es weitergeht, ob nachgeschärft wird oder ob man aufhört. Gartner erwartet, dass mehr als 40 % der Projekte mit KI-Agenten bis Ende 2027 eingestellt werden, wegen steigender Kosten, unklarem Nutzen oder fehlender Risikokontrolle (Gartner, Juni 2025). Das zeigt wie viel Unsicherheit in Bezug auf den Einsatz von KI herrscht. Daher ist es notwendig Projekte in diesem Umfeld mit entsprechender Umsicht zu steuern. Wer diese Fragen an fest definierten Meilensteinen klärt, stoppt früher und günstiger.

Der wichtigste Abschnitt der Roadmap ist die Übergabe in den Regelbetrieb. Jemand muss nach Projektende die KI-Schnittstelle, die Prompts und die Datenanbindung pflegen und das Monitoring übernehmen. Wie man KI dauerhaft in Abläufe einbaut, beschreiben wir bei KI & Automatisierung.

Die Mitarbeiter müssen mitkommen. Im Marketing Tech Monitor 2026 schätzen 45 % der Führungskräfte die Akzeptanz neuer Technologien in ihrer Belegschaft als niedrig ein. Unter den befragten Mitarbeitenden sagen das nur 12 %, dafür fühlt sich die Hälfte unsicher oder überfordert. Das ist weniger Widerstand als fehlende Orientierung, und die lässt sich mit Schulung und frühen, sichtbaren Erfolgen beheben.

Was du am Montag angehen kannst

  • Such dir einen Vorgang im Kerngeschäft aus, der heute messbar Zeit oder Geld kostet, und halte diese Ausgangswerte fest.

  • Benenne einen Owner aus dem Fachbereich mit Ziel, Budget und schriftlich festgelegten Abbruchkriterien.

  • Plane das Budget für Daten, Integration und Betrieb und setze für die Modellkosten eine Obergrenze mit Alarm.

  • Lass den Pilot im echten Prozess laufen, mit freigegebenen Werkzeugen und geklärter AI-Act-Einstufung.

  • Leg vor dem Start fest, wer das System nach dem Go-live betreiben soll und integriere diese Personen.

Für wen ist das relevant? Für Geschäftsführung und Bereichsleitungen im Mittelstand, die ein KI-Projekt starten oder einen festgefahrenen Pilot in den Betrieb bringen wollen.

Häufige Fragen

Wo steht dein KI-Projekt gerade?

Wenn du wissen willst, ob dein nächstes KI-Projekt sauber geplant ist oder warum ein Pilot gerade feststeckt, schauen wir gern gemeinsam drauf. Im KI-Readiness Workshop klären wir Anwendungsfälle, Owner und Datenlage. Wer erst einmal einen Überblick über den eigenen Stand braucht, startet mit dem Future Ready Audit. Unverbindlich und ohne Pitch.

Michael Friedmann,
Managing Partner bei BOLD & EPIC Consulting

Michael Friedmann hat über 25 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Führungskraft in E-Commerce und IT-Services und früher selbst ein international ausgerichtetes Technologie-Start-up gegründet. Er ist Diplom-Informatiker und hat einen Executive MBA der Kellogg School of Management. Bei BOLD & EPIC verantwortet er vor allem Prozesse und Organisation, also genau die Themen, an denen KI-Projekte nach dem Pilot meist hängen bleiben.